Straßenkinder in Brasilien

Wie Kinder in den Favelas Sao Paulos leben.

Die Stadt São Paulo ist mit 247.898 qkm und rund 17 Millionen Einwohnern das Zentrum des Staates mit der höchsten Industrialisierung Brasiliens. Ein Häusermeer ohne Ende, imposante Wolkenkratzer, 8-spurige Schnellstraßen, Autolärm, farbenfrohe Märkte kennzeichnen diese Stadt.
Und direkt neben diesem pulsierenden Leben die Kehrseite der Medaille:

Leben auf der Straße 
Ihr Zuhause ist die Straße. Schon 4-jährige werden von ihren Eltern auf die Straße geschickt oder sie reißen aus, weil es zuhause zu eng ist, nichts zu Essen gibt, die Eltern krank oder drogenabhängig sind.

Der tägliche Kampf ums Überleben ist einfach unvorstellbar. Sie übernachten unter Brücken, auf Parkbänken, auf einem zertretenen Karton oder zusammengekauert zwischen Müllsäcken und Autoabgasen in unbewachten Hauseingängen, ohne zu wissen, wie sie den nächsten Tag überleben sollen. Auf Mülldeponien suchen sie nach Essbarem oder verwertbaren Resten, was geradezu lebensgefährlich ist. Sie sammeln Dosen, Flaschen. Sie stochern im Abfall und verkaufen ihren armseligen Fund an Händler und Fabriken in der Nähe.

Wenn das nicht zum Leben reicht, dann ist Stehlen angesagt oder andere Wege, um an Geld zu kommen: zehn- bis elfjährige Mädchen wissen bereits, was manche Männer wollen und sie tun es für einen Teller Suppe.

Und als wäre der tägliche Überlebenskampf nicht schon schwer genug, kommt zu all dem noch die Angst, denn in manchen Stadtvierteln werden Killer angeheuert, sogenannte Todesschwadronen, die Kinder brutal "beseitigen", um das Problem der Straßenkinder zu lösen...
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF rechnet weltweit mit 80 Millionen Straßenkindern, davon die Hälfte in Lateinamerika.

Favelas 
Nicht selten direkt neben den Hochhäusern, aber vor allem am Stadtrand drängen sich bis zu 100 Favelas (die Elendsviertel der brasilianischen Großstädte), ärmliche Hütten, zusammengezimmerte Behausungen aus Stein- und Holzresten, Blech und Plastik. Dicht an dicht, enge Gassen, nur selten befestigte Wege, kaum Kanalisation und deshalb weit verbreitet der beißende, ekelerregende Gestank aus offenliegenden Abwässern. Die Folgen eines solch menschenunwürdigen Lebens sind Unterernährung, Krankheiten, Tod. Hinzu kommen allzu oft zerrüttete Familien, viele Mütter sind mit ihren Kindern allein gelassen.

Diese Elendsviertel sind Plätze für Drogenhandel und Orte von Dieben. Die Angst geht um, vor allem vor der Gewalt der Drogenbosse und vor Schießereien. In diesem Milieu müssen Kinder aufwachsen. An Schulausbildung ist in der Regel überhaupt nicht zu denken, und das heißt: Keine Hoffnung auf ein besseres Leben!